Ist es ein Notfall?
Atemnot, Zusammenbruch, Krampfanfälle, Verdacht auf Vergiftung, ein harter, aufgeblähter Bauch, starke Blutungen oder plötzliche Lähmung: Ruf jetzt deine Praxis oder den tierärztlichen Notdienst an. Warte nicht auf eine App.
Wenn du mit einer älteren Katze lebst, lohnt sich ein Blick auf ihre Nieren. Die chronische Nierenerkrankung (CKD) gehört zu den häufigsten Erkrankungen bei Katzen im Seniorenalter — und sie beginnt meist leise.
Das Problem: Katzen gleichen nachlassende Nieren sehr lange aus. Deutliche Symptome zeigen sich oft erst, wenn schon ein großer Teil der Nierenfunktion verloren ist. Wer erst bei sichtbaren Anzeichen reagiert, ist deshalb oft schon spät dran — es sei denn, man sucht gezielt früher.
Was die Nieren leisten — und was passiert, wenn sie nachlassen
Die Nieren filtern Abbauprodukte (Harnstoff, Kreatinin, Phosphat) aus dem Blut, regeln Wasser- und Salzhaushalt, halten den Blutdruck stabil und bilden ein Hormon (Erythropoetin), das die Bildung roter Blutkörperchen anregt. Lässt die Filterleistung nach, sammeln sich Abbauprodukte im Blut — das kann Übelkeit und Appetitlosigkeit verursachen und auf Dauer den ganzen Körper belasten.
Die International Renal Interest Society (IRIS) teilt CKD anhand von Blutwerten wie Kreatinin und SDMA in vier Stadien ein. Stadium 1 macht oft noch keine Beschwerden und fällt typischerweise beim Senioren-Check im Blutbild auf. Stadium 4 ist das Endstadium.
Frühe Hinweise, die leicht untergehen
Diese Veränderungen bemerken Halter:innen oft zuerst — und erzählen sie in der Praxis häufig erst Wochen später.
- Mehr trinken und mehr urinieren — die Klumpen im Katzenklo werden größer oder häufiger
- Langsamer Gewichtsverlust, obwohl sie scheinbar normal frisst
- Stumpferes, weniger gepflegtes Fell
- Phasen mit weniger Appetit, besonders für Trockenfutter
- Gelegentliches Erbrechen, oft morgens auf nüchternen Magen
- Neue Trinkgewohnheiten — aus der Dusche, aus Gläsern, aus dem Wasserhahn
Warum regelmäßige Blutkontrollen im Alter wichtig sind
Der verlässlichste Weg, CKD früh zu erkennen, sind Blut- und Urinuntersuchungen, bevor Symptome auftreten. Viele Praxen empfehlen für ältere Katzen ein regelmäßiges Senioren-Profil: Kreatinin, SDMA, Harnstoff, Phosphat, Elektrolyte und eine Urinuntersuchung (zum Beispiel spezifisches Gewicht und Protein-Kreatinin-Verhältnis). Frag deine Praxis, ab wann und wie oft das für deine Katze sinnvoll ist.
Wird CKD in einem frühen Stadium erkannt, haben viele Katzen mit guter Begleitung noch eine lange Zeit mit guter Lebensqualität vor sich.
Was deine Praxis empfehlen kann
Nierendiät
Spezielle Nierendiäten gehören zu den am besten untersuchten Maßnahmen bei CKD. Sie enthalten weniger Phosphat und angepasstes Eiweiß und sollen die Nieren entlasten. Die Umstellung braucht oft Geduld — viele Katzen gewöhnen sich nur langsam an neues Futter. Lass dich in der Praxis beraten, welches Futter passt.
Phosphatbinder
Bleibt der Phosphatwert trotz Diät erhöht, kann die Praxis Phosphatbinder verordnen, die mit dem Futter gegeben werden.
Blutdruck und Eiweiß im Urin
Viele Katzen mit CKD entwickeln Bluthochdruck (der unter anderem die Augen schädigen kann) oder verlieren Eiweiß über den Urin. Dafür gibt es Medikamente, die deine Praxis je nach Befund auswählt und dosiert.
Flüssigkeit
In späteren Stadien kann es sinnvoll sein, Flüssigkeit unter die Haut zu geben. Viele Halter:innen lernen das in der Praxis — es klingt aufwendig, wird für viele aber zu einer ruhigen kleinen Routine.
Was du zu Hause tun kannst
- Wasser überall: mehrere Trinkstellen, vielleicht ein Trinkbrunnen, frisches Wasser mehrmals täglich. Katzen sind wählerisch.
- Nassfutter mitdenken: Es bringt zusätzliche Flüssigkeit — sprich mit deiner Praxis, wie es in den Futterplan passt.
- Stress reduzieren: ruhige Rückzugsorte, keine Konkurrenz an Napf und Klo in Mehrkatzen-Haushalten.
- Klo-Hygiene: genug Katzenklos und häufig reinigen — eine Katze, die ihr Klo meidet, trinkt oft auch weniger.
- Regelmäßig wiegen: Notiere das Gewicht zum Beispiel wöchentlich. Ein stetiger Verlust gehört besprochen.
Lebensqualität im Verlauf
CKD ist chronisch und nicht heilbar — das heißt aber nicht, dass die gemeinsame Zeit kurz sein muss. Was sich ändert: regelmäßige Kontrollen im Rhythmus, den deine Praxis empfiehlt, tägliche Aufmerksamkeit für Trinken und Fressen und gelegentliche Anpassungen der Behandlung.
Ein einfaches Tagebuch hilft dabei: Appetit, Aktivität, Erbrechen, Trinkmenge, Gewicht. In Senicure hältst du das im täglichen Check-in und im Tagebuch fest — und nimmst den Verlauf als Bericht mit in die Praxis. In unseren Rassen-Guides findest du außerdem, worauf du bei deiner Katze achten kannst.
Mehr zur Rasse deiner Katze:Rassen-Guides für KatzenRote Warnsignale
Bei diesen Anzeichen ruf noch heute deine Praxis an — nicht erst zum nächsten Routinetermin. Bei Atemnot oder Zusammenbruch fahr sofort zum Notdienst.
- Sie frisst seit 24 Stunden gar nichts
- Wiederholtes Erbrechen, besonders mit Blut
- Plötzliche Teilnahmslosigkeit, Verstecken, keine Reaktion auf Lieblingsdinge
- Schnelle, flache oder angestrengte Atmung, blasse Schleimhäute
- Plötzliche Blindheit oder auffällig weite Pupillen
Zusammengefasst
CKD ist bei älteren Katzen häufig. Mit regelmäßigen Kontrollen fällt sie früher auf — und mit Diät, aufmerksamer Beobachtung und einer guten Beziehung zu deiner Praxis lassen sich viele gute Zeiten gewinnen. Behalte Wasser und Klo im Blick, wiege regelmäßig und nimm leise Veränderungen ernst, bevor sie laut werden.
Allgemeine Informationen, keine tierärztliche Beratung
Dieser Ratgeber dient nur der Orientierung. Senicure ist kein tierärztlicher Dienst und stellt keine Diagnosen. Sprich über Symptome, Untersuchungen und Medikamente deines Tieres immer mit deiner Praxis.